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Am 14. November 2003 fiel an der Alten Schule in Bischofsreut (Gemeinde Haidmühle im Landkreis Freyung-Grafenau) der offizielle Startschuss für die Errichtung des in Mitteleuropa einmaligen KulturLandschaftsMuseums Grenzerfahrung. Die Gemeinde Haidmühle verwirklicht damit eine innovative Museumsidee, die von dem seit langem in Haidmühle tätigen Planungsbüro FNL-Landschaftsplanung (München/Außernzell) im Rahmen des Landschaftsentwicklungsprojekts "Bischofsreuter Waldhufen" eingebracht worden war. Ziel des KulturLandschaftsMuseums Grenzerfahrung ist es, das Wissen über das landschaftsgestaltende Wirken des Menschen zu vertiefen und die einzigartige Kulturlandschaft der Bischofsreuter Waldhufen ökonomisch, sowie im Bewusstsein der Menschen in Wert zu setzen, um deren Erhaltung als touristisches Kapital für die Gemeinde zu sichern. Im KulturLandschaftsMuseum Grenzerfahrung - kurz KuLaMu - sollen sowohl die einmalige traditionelle Kulturlandschaft der "Bischofsreuter Waldhufen", als auch die Grenzbedingungen, unter denen die Menschen hier immer lebten und wirtschafteten, erlebnisreich dargestellt werden.

Die Landschaft und das Museum

Eingebettet zwischen den Bergen des Bayerischen Waldes und des Sumava verbirgt sich im größten Waldgebiet Mitteleuropas auf 1000 m Höhe eine einzigartige Kulturlandschaft: die 'Bischofsreuter Waldhufen'. Diese Kulturlandschaft am ehemaligen "Eisernen Vorhang" hat ihren Charakter auf einmalige Art und Weise bewahrt und ist deshalb nach dem Arten- und Biotopschutzprogramm (ABSP) des Freistaats Bayern nicht nur für Bayern von überregionaler bis landesweiter, sondern nach der Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie der Europäischen Union sogar von europaweiter Bedeutung. Die "Naturfreunde Internationale" hatten die Bischofsreuter Waldhufen dem entsprechend zur Landschaft des Jahres 1999/2000 gekürt.

Die traditionelle Kulturlandschaft mit ihren vielfältigen Lebensräumen und seltenen Tier- und Pflanzenarten ist allerdings zunehmend gefährdet. Im Gegensatz zu der sonst üblichen Entwicklung spielen hier aber nicht Intensivierung und Bebauung die entscheidende Rolle, sondern die umfangreiche Verbrachung und Verbuschung sowie Aufforstung der bunten Wiesen, der malerischen Magerrasen und der geheimnisvollen Moore. Aufgrund des tiefgreifenden Strukturwandels in der Landwirtschaft fehlen inzwischen die Bauern, aber insbesondere auch die finanziellen Mittel zur flächendeckenden Bewirtschaftung und Pflege der Kulturlandschaft.

Im Jahr 1999 wurde deshalb das LEADER II - Projekt "MaB -Umsetzung Bischofsreuter Waldhufen" begonnen. Ziel waren nicht nur Naturschutz und Landschaftspflege, sondern insbesondere auch die Verknüpfung des Erhalts der einzigartigen Kulturlandschaft einschließlich ihrer bedrohten Lebensräume und Arten mit der strukturellen Entwicklung des Gebietes. Da eine tragfähige Ansiedlung von Gewerbe aufgrund der großen Marktferne ebenso wenig möglich ist, wie der Aufbau einer international konkurrenzfähigen, herkömmlichen Landwirtschaft, soll in der ausgesprochen wirtschaftsschwachen Region eine dringend erforderliche Wertschöpfung im Wesentlichen im Bereich Tourismus erreicht werden. Allerdings soll und kann kein Massentourismus, sondern vielmehr ein landschaftsangepasster, sanfter Thementourismus initiiert und aufgebaut werden. Als wichtiger Grundpfeiler dieser Leitlinie wird nun das "KulturLandschaftsMuseum Grenzerfahrung" einen wesentlichen Beitrag zum sanften Tourismus leisten, dessen Wertschöpfung teilweise wiederum dem Erhalt der Kulturlandschaft zu Gute kommen soll.

Die Finanzierung

Auf der Grundlage eines von FNL-Landschaftsplanung im Jahr 2002 erarbeiteten, vom Naturpark Bayerischer Wald geförderten Museumskonzepts konnte unter Federführung der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Niederbayern die Genehmigung eines für die Realisierung des KuLaMu bedeutungsvollen Fördermittel-Packets erreicht werden. Aufgrund der grenzübergreifenden Aspekte ist es gelungen, das Museumsprojekt mit 50 % über europäische INTERREG III-Mittel aus dem Bereich Umwelt und Naturschutz zu bezuschussen. Weitere 40 % der Kosten finanziert der Bayerischen Kulturfonds. Die verbleibenden 10 % Jahr teilen sich der Landkreis Freyung-Grafenau sowie der Projektträger - die Gemeinde Haidmühle. Bis zum 2007 werden für einen 1. Einrichtungsabschnitt rund 300.000 an Fördermitteln zur Verfügung gestellt.

Das KulturLandschaftsMuseum Grenzerfahrung

Im Gegensatz zur Naturlandschaft der beiden benachbarten Nationalparke Bayerischer Wald und Sumava ist die Kulturlandschaft der Bischofsreuter Waldhufen vom Wirken des Menschen geprägt. Vor 300 - 400 Jahren rodeten die ersten Siedler den vorher von Säumern, Goldsuchern, Jägern und Sammlern durchstreiften Urwald (=Naturlandschaft) und nutzten das Land dann auf vielfältige Art und Weise. Das KulturLandschaftsMuseum Grenzerfahrung will in der grenzübergreifend einzigartig erhaltenen Kulturlandschaft der Bischofsreuter Waldhufen das landschaftsgestaltende Wirken des Menschen vermitteln. Dazu werden kulturhistorisch bemerkenswerte, regionaltypische Elemente wie beispielsweise Wässerwiesen, Allmendeweiden, Steinäcker und vieles mehr an ihrem angestammten Platz in der Landschaft dargestellt und über vielfältig strukturierte Museumssteige miteinander verbunden.

Auf reich bebilderten Museumstafeln taucht der Besucher in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Landschaft und ihrer Menschen ein. Der besonderer Schwerpunkt des Museumskonzeptes liegt auf einer erlebnisreichen Präsentation der verschiedenen Kulturlandschaftselemente, um Kinder und Erwachsene zu einem interaktiven Lernen anzuregen.

KulturLandschaftsHaus Bischofsreut

In einem weiteren Realisierungsschritt soll eine zentrale Museumseinheit - das KulturLandschaftsHaus Bischofsreut - geschaffen werden. Entsprechend den Erfordernissen moderner Museumspädagogik, werden dort die in der Landschaft gesammelten methodisch und didaktisch aufgearbeitet. Sternförmig von dem Museumsbau werden die Museumssteige in die Landschaft führen.

In der Fusion von Vergangenheit und Gegenwart wird das alte, vom Verfall bedrohte Schulgebäude von Bischofsreut mit einem Neubau verbunden, der in seiner architektonischen Bildsprache das harte und karge Leben der Menschen aufgreift. Die architektonische Gestaltung des Neubaus soll zum Ausdruck bringen, dass der Schutz der Kulturlandschaft, des kulturellen Erbes dieser Region kein altmodisches, sondern ein absolut zeitgemäßes Anliegen ist.

Durch modernste interaktive Informations- und Präsentationstechnologie erleben die Besucher des Hauses der Kulturlandschaft mit allen Sinnen den Wandel der Region von der Naturlandschaft zur gestalteten Kulturlandschaft. Sie treten ein in einen dunklen Urwald und fühlen den Ursprung von Mythen und Sagen. Sie sehen, hören und riechen die Anstrengungen des Menschen, den Wald zu besiedeln und dort die Grundlagen für ihr tägliches Leben zu schaffen. Schließlich erfahren und erfühlen Sie die Schönheiten, aber auch die Bürde einer Landschaft, in der die Menschen sowohl räumlich, als auch hinsichtlich ihrer natürlichen Umwelt immer unter Grenzbedingungen lebten und wirtschafteten.